Solar-Boom in Indien

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Millionen Inder existieren ohne Stromversorgung. Das ließe sich durch Solarenergie ändern.

Laut der Internationalen Energieagentur leben 270 Millionen Inder ohne Strom. Mit Solarenergie will das die indische Regierung nun ändern. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens hat sich Indien zum Ziel gesetzt, bis 2030 40 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. In den vergangenen drei Jahren hat Indien bereits die Solarkapazität vervierfacht und möchte demnächst zum drittgrößten Produzenten von Solarenergie weltweit aufrücken.

 

In Indien wird Sonnenenergie nicht mehr als alternative, sondern als konventionelle Energiequelle betrachtet. Das zeigt der in Indien weltweit erste rein mit Solarenergie betriebene Flughafen und der in Delhi vor kurzem in Betrieb genommene erste solargetriebene Zug. Zum einen geht es der indischen Regierung darum, die Klimaziele zu erreichen, zum anderen erhofft sie sich von der Solarenergie in erster Linie wirtschaftliche Veränderung. Eine gesicherte Energieversorgung ist die signifikanteste Maßnahme zur Bekämpfung der Armut. Die Bedingungen sind positiv: In Indien scheint im Schnitt 300 Tage im Jahr die Sonne. Die Preise für Solarenergie sind wegen des herausfordernden Wettbewerbs, politischer Förderprogramme und günstiger Finanzierungskonzepte sehr niedrig, was Solarenergie für Geldgeber reizvoll macht. Zur gleichen Zeit wächst mit der Unterstützung der Solarenergie auch die Zahl der sozialen Unternehmer mit kreativen Solarangeboten. In Indien finden sich viele Beispiele für kleinere und größere Einsteigerfirmem in den Solarmarkt. Sie wollen etwas Gutes tun und finanziell profitieren. Sie versorgen die Haushalte in abseits gelegenen Gegenden zu erschwinglichen Preisen mit Strom. Sie produzieren unter anderem Solar- und Mikrosolarzellen sowie solarbetriebene Wasserpumpen und Lichtsysteme.

 

Für Indien ist es wichtig, das Siegel „Made in India“ im Bereich erneuerbarer Energien zu forcieren. Es setzt daneben auch auf internationale Zusammenarbeit. Indien und Frankreich riefen auf der Pariser Klimakonferenz ein internationales Solarbündnis mit Hauptsitz in Indien ins Leben mit dem Ziel, die 121 teilnehmenden Länder näher zusammenzubringen, um die Produktion von Solarenergie auszubauen. Auch Deutschland kooperiert mit Indien im Bereich erneuerbarer Energien und unterstützt bei der Verwirklichung seiner Nachhaltigkeitsziele.

 

Es ist fraglich, ob Indien trotz all der Investitionen wirklich zum Vorreiter beim Klimaschutz wird. Durch enorme Förderung könnten auch Probleme entstehen, geben schon jetzt die Wirtschaftsforscher zu Bedenken. Der Markt könne sich aufgrund zu vieler Akteure überhitzen. Es existieren auch Zweifel an dem Erfolg der Armutsbekämpfung, da in erster Linie in den Bau großer Solarparks investiert wird und weniger in die Mikrozellen, die die Landbevölkerung, die die Energieversorgung am dringendsten benötigt, mit Strom versorgen. Zugleich baut die indische Regierung Hochspannungsleitungen aus. Soziale Jungunternehmer befürchten, dass sie langfristig vom Markt verdrängt werden.

Quelle: http://www.zeit.de/2017/45/indien-strom-solarenergie-erneuerbare-energien